Abb.: Miteinander, 2017. Mischtechnik auf Leinwand, 100 x 70 cm

 

Meine Arbeiten entstehen zunächst aus einem spontanen Akt heraus. Das klingt sehr einfach, ist aber entscheidend. Es bedeutet Freiheit und Raum für Intuition, entlässt mich genau besehen aber nicht aus der Ordnung, sondern verlangt Genauigkeit, Behutsamkeit und Konzentration. Es bedeutet, gegenwärtig zu sein im Umgang mit den Mitteln und benötigt ein formales Vokabular, aus dem ich schöpfe.

Zu Anfang drücke ich Farbe direkt aus der Tube, lasse sie laufen, kleckern, tropfen, drücke, reibe und quetsche sie, sprühe, arbeite mit dem breiten Pinsel, mit Spachteln und häufig direkt mit Händen und Fingern. Die Farben trage ich in mehreren Schichten auf, verdecke Bildteile, hebe andere hervor. Ich arbeite gerne mit verschiedenen Papieren, schneide, falte, collagiere in die Malereien hinein. Ich drucke (Hochdruck, Liniendruck, Pappdruck...), übermale wieder und gehe mehr und mehr bis ins feinste Detail, manchmal wird der Gestus dann auch wieder forscher, wilder. Abstraktes, Abstrahiertes und Gegenständliches gehen zusammen, wechseln sich ab, überlagern sich. Ich lasse mich von den Farben leiten im Ausdruck dessen, was mich bewegt und was mir ganz alltäglich begegnet.

Darüber hinaus ist es mein Anliegen, Schönheit zu schöpfen. Schönheit begegnet mir überall und auf besondere Weise in der Natur. Dort, in Feld, Wald und Wiese, am See, am Meer und auch in den Gärten im Stadtteil erhalte ich Inspiration, Ideen und finde viele meiner Motive: eine Blüte, eine Pflanze, eine Frucht, eine Muschel, ein Insekt…

Meine Arbeit für die Internationale Malerei Biennale Hamburg zeigt eine Versammlung verschiedener Pflanzen – es sind Heilpflanzen in ihrer Blühzeit –, deren Auswahl zur Vielfalt gesteigert wird in einem Bildraum, der sich aus Farbklängen, Formen, Flächen, Linien, Schichten formiert. Es öffnet sich ein Raum aus nah und fern, hell und dunkel, mit einer Zone dazwischen oder einer Verbindung zwischen Himmel und Erde. Alle Elemente spielen zusammen in diesem Bild-System, das wie ein kleines Ökosystem wirkt – intakt übrigens, ein Ort für Bienen, wenn man so will.

Die Natur in ihrer Vielfalt ist Basis allen Lebens und unser Lebensraum. Der Mensch ringt der Natur viel ab, er dringt in die Natur vor und lässt sich immer wieder von dem Gedanken leiten, die Natur beherrschen zu können. Die Natur ist aber in ihrer Vielschichtigkeit ein vollkommenes System und bietet im Grunde alles, was wir brauchen, um wirklich glücklich zu sein. Für mich bedeutet sie Freude, Fülle, Frieden und Freiheit und sie lässt mich Einheit spüren mit mir selbst und mit dem Leben. Damit ist sie der größte und schönste Ort für Heilung. Deshalb kann es nur ein Miteinander mit der Natur geben, Einklang mit ihr, ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

In diesem Sinne ist meine Arbeit „miteinander“ ein Farbgeflecht, textil anmutendes Gebilde, ein Ineinander, Aufeinander, Untereinander, Hintereinander, eine Begegnung, eine Bewegung, ein Sich-Finden, ein Spiel, ein Fest. Sie ist Lichtblick, trägt Freude und positive Energie, die in das Leben hinein wirkt. Positive Gedanken, ein freudiges Tun ziehen Positives an. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unser Bewusstsein eine entscheidende Rolle für die Vorgänge um uns herum spielt, dass wir selbst es sind, die unsere Welt, unser Leben gestalten. In diesem Sinne gestalte ich meine Bilder: Wir alle wollen glücklich sein und da hinein zu wachsen Schritt für Schritt, das gelingt nur im Miteinander, im Einvernehmen, in Einheit mit uns selbst, mit dem Leben und in glücklicher Schwingung allem gegenüber, denn alles hängt mit allem zusammen.

 

Angelika Schammert, im Januar 2018

in: 7. Int. Biennale Hamburg zum Thema Umwelt im Ökologiediskurs, Artenvielfalt, Volume XIV, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung im August/September 2018 , Galerie KAM, Kulturaustausch Hamburg-Übersee e.V.